Forschung (alt)

Die Umsetzung der Maßnahmen an der Mulde, werden durch unterschiedliche Forschungseinrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten begleitet. Deren Arbeiten sind eng miteinander sowie mit denen des WWF als Umsetzungspartner verzahnt. Ziel ist es, zu verstehen wie sich die verschiedenen Maßnahmen auf die Abiotik (Fluss, Böden) und die Biotik (Tier- und Pflanzenwelt) auswirken. Dafür soll der Erfolg der durchgeführten Maßnahmen anhand von hydraulischen, hydromorphologischen, biologischen und funktionellen Parametern hinsichtlich des Gesamtziels des Projektes ermittelt werden. Es soll geprüft werden, ob die hierfür durchgeführten Maßnahmen Modellcharakter für die Sicherung von Biodiversität und Ökosystemleistungen in weiteren Fluss-Auen-Ökosystemen entlang der Mulde und anderswo haben. Zudem sollen die Wirkungen der Maßnahmen eingeschätzt und Bedingungen für die Maximierung von Synergien sowie die Minimierung von Zielkonflikten von Ökosystemleistungen identifiziert werden. In Vorbereitung auf das Projekt lassen sich zu verschiedenen Fragen schon vor Maßnahmenbeginn erste Aussagen treffen, die dann im Projektverlauf allerdings intensiv untersucht werden sollen, wie z.B.:

Wie verändert sich die Mulde?

Die Maßnahmen dieses Projekts werden den Lauf der Mulde verändern. Nur an kleinen aus gewählten Bereichen, aber doch so, das Forscher Rückschlüsse für andere Vorhaben ziehen können. Doch wie verändert sich ein Fluss eigentlich? Ein natürlicher Fluss wird auf Grund der Kraft des Wassers ständig seinen Lauf verändern. An einer Krümmung prallt der Fluss an ein Ufer und höhlt es aus. Man spricht von einem sogenannten Prallhang. Das kann in Gebirgen Jahrhunderte dauern. Im Bereich der Mulde mit den relativ weichen Aueböden geht so etwas vergleichsweise schnell. Die Ufer rutschen ab und der Fluss trägt den Boden davon. Auf der Innenseite einer Krümmung fließt der Fluss langsamer. Er gleitet dahin. Man spricht daher auch vom Gleithang. Dort wird der an einem Prallhang abgetragene Aueboden (Sedimente) abgelagert. Etwas ähnliches passiert wenn ein Baum am Ufer durch Windbruch oder Unterhöhlung im Gewässer liegt. Die Strömung verändert sich im Bereich des Baumes. Je nach Lage, kann er dazu dienen Sedimente, z.B. als Kiesbank, abzulagern oder auch die Sohle eines Flusses einzutiefen. Durch die Veränderung der Gestalt des Flusses kann sich auf das Abflussverhalten des Wasser in der Mulde verändern. Auch das interessiert die Forscherteams.  Schließlich fließen im Durchschnitt jede Sekunde fast 500 Badewannenfüllungen den Fluss hinunter.

Was passiert mit dem Wasser der Mulde?

Das Wasser eines Flusses ist immer auch ein Spiegel seiner Umgebung. So auch die Mulde. So können Stoffe, die durch Düngung auf landwirtschaftlichen Flächen in die Umwelt gelangen, nachgewiesen werden. Eine Besonderheit ist, dass man noch immer Spuren chemischer Substanzen aus den Zeiten in denen die Mulde zur Abwasserentsorgung der DDR-Chemiebetriebe genutzt wurde, findet. Sowohl die Nährstoffe aus der Landwirtschaft als auch die chemischen Substanzen beeinträchtigen das Ökosystem Mulde. Intakte Ökosysteme sind aber in der Lage solche Stoffe zurückzuhalten, umzuwandeln oder gar abzubauen. Ein Forscherteam wird sich daher mit diesen unsichtbaren Stoffkreisläufen beschäftigen und prüfen, ob die umgesetzten Maßnahmen positive Effekte darauf haben.

Wie verändert sich die Tier- und Pflanzwelt?

Das Gebiet der Mulde in dem die Untersuchungen stattfinden ist zu großen Teilen ein Naturschutzgebiet und weist einen großen Artenreichentum an Pflanzen und Tieren an Land und im Wasser auf. Die Forscher wollen untersuchen, ob und wie sich die die Tier- und Pflanzenwelt durch die Maßnahmen verändert. So könnte in einem ausgehöhlten Uferbereich die Uferschwalbe eine neue Brutmöglichkeit finden. Auf entstehenden Kiesbänken findet der Flussregenpfeiffer optimale Bedingungen für seine Nester. Der Eisvogel nutzt die Totholzbäume für seine Jagd nach kleinen Fischen. Aber die Forscherteams interessieren sich nicht nur für die sofort sichtbare Tier- und Pflanzenwelt, sondern untersuchen auch kleinste Pflanzen und Tiere am Gewässerboden, im Uferbrereich und in der Aue.

Wie nützt dieses Projekt dem Einzelnen und der Gesellschaft?

Viele Menschen nutzen heute Dienstleistungsunternehmen. Der Eine bestellt sich eine Pizza, eine Andere geht in ein Fitnessstudio ein Dritter bringt seine Wäsche in die Reinigung. Sie nutzen Dienstleistungen. Was vielen nicht bewusst ist: auch das Ökosystem Mulde vollbringt Dienstleistungen für uns. Sogar ganz unentgeltlich. Es filtriert Niederschlagswasser, bietet Hochwassern Ausbreitungsfläche und stellt uns tolle Naherholungsbereiche zur Verfügung. Stellt man sich einen geradlinig kanalisierten Fluss und dagegen die sehr viel naturnähere Mulde vor, wird deutlich, dass hier ein Wert besteht den es zu bewahren und zu schützen gilt. Mit den Maßnahmen des Projekts soll dieser Wert sogar noch erhöht werden. Ein Forscherteam wird versuchen die Effekte auf die Ökosystemdienstleistungen nachzuweisen.

Was lernen wir aus diesem Projekt?

Mindestens fünf Forscherteams sind an diesem Projekt beteiligt. Alle betrachten einen bestimmten Ausschnitt der Naturlandschaft Mulde. Erkenntnisse über das Gesamtsystem Mulde werden aber nur gewonnen, wenn die Forschungsergebnisse aller Teams in Verbindung gebracht werden. Dazu finden regelmäßige Arbeitstreffen statt. Außerdem beobachten die Forscherteams nicht nur Bereiche in denen die Maßnahmen des Projekts stattfinden, sondern sie werden auch Bereiche in denen nichts passiert untersuchen. Wird plötzlich eine Vogelart nachgewiesen, die vorher noch nicht da war, so kann dies nur auf das Projekt zurückgeführt werden, wenn diese Vogelart in den unveränderten Bereichen nicht nachweisbar ist. Die Ergebnisse sollen dazu dienen, die Auswirkung von Maßnahmen zur Wiederherstellung naturnaher Lebensräume an größeren Flüssen besser zu verstehen. Aus den gewonnen Erkenntnissen sollen abschließend allgemein gültige Aussagen für ähnliche Projekte abgeleitet werden.