FAQ

Häufig gestellte Fragen

Natürliche Flusslandschaften sind extrem selten in Deutschland trotz ihrer außergewöhnlichen Bedeutung für Artenvielfalt und Lebensraum-Vernetzung. Das von BMUB und BMBF geförderte Verbundprojekt Wilde Mulde will in stadtnahen Flussabschnitten mit dem aktiven Einbau von großem Totholz und Widerherstellung von naturnahen Flussufern die natürliche Verlagerung des Flussbettes fördern. In die Umsetzung wird die lokale Bevölkerung zur Akzeptanzsteigerung aktiv eingebunden. Veränderungsprozesse in Fluss und Aue werden durch Zeitrafferaufnahmen für eine breite Öffentlichkeit erlebbar. In das Projekt ist eine umfassende ökosystembezogene Forschung integriert. Nachfolgende Punkte sind dem WWF in den aktuellen Diskussionen besonders wichtig:
  1. Wilde Mulde meint nicht einen wild sprudelnden Wildbach sondern ist ein Verweis auf eine intakte und in Deutschland nur noch vereinzelt vorkommende Wildflusslandschaft.
  2. Die Mulde wird nicht auf einer Länge von 24 km renaturiert, sondern lediglich an drei ausgewählten Stellen. Der längste Abschnitt beträgt 500 m.
  3. Alle geplanten Maßnahmen, zielen auf die Schaffung von naturnahen Gewässerstrukturen ab, die im Projektgebiet an anderer Stelle schon vorhanden sind.
  4. Alle Maßnahmen sind hochwasserneutral. Dies wird auf Basis amtlich geprüfter Hochwassermodelle nachgewiesen.
  5. Das Projekt startet derzeit in die Genehmigungsplanung. Die Anlieger der Mulde werden im Rahmen der Genehmigungsplanung umfangreich beteiligt.
  6. Die Vermittlung des Naturschatzes „Untere Mulde“ bei den Dessauern soll durch vielfältige Umweltbildungsmaßnahmen, insbesondere aber durch jährlich stattfindende Mulde-Flusstage und Führungen sowie langfristige durch Bild- und Filmaufnahmen spezieller Aspekte dieser dynamischen Wildflusslandschaft erreicht werden.
Gegen das Vorhaben bestehen seitens der ansässigen Bevölkerung und in der Folge auch in der Politik Vorbehalte. Diese wurden dem WWF und den Projektträgern immer wieder mündlich und schriftlich vorgetragen. Die vorliegende Zusammenstellung geht auf die gestellten Fragen ein.

Wer garantiert die Hochwasserneutralität der Maßnahmen?

Im Rahmen der Genehmigungsplanung muss ein Nachweis über die Hochwasserneutralität der Maßnahmen erbracht werden. Gelingt dies nicht, wird eine Genehmigung versagt und die Maßnahmen dürfen nicht ausgeführt werden. Für die Untere Mulde existiert ein vollständiges 2D-Modell, auf Basis aktueller Vermessungen von 2014. Dies wird als Grundlage der Berechnungen verwendet. Die Ergebnisse werden den Ortschaftsräten vorgestellt.

Die in der Mulde verankerten Bäume engen den Querschnitt ein. Das muss sich auf das Hochwasser auswirken!

Maßgeblichen Einfluss auf die Wasserspiegelhöhen bei maßgebenden Hochwasserereignissen (s. Hochwasserrisikomanagementplan, statistisch 10- bzw. 100-jährliches Ereignis) in einem Gebiet haben i.d.R. die engsten Querschnitte und der Bewuchs in den Überflutungsflächen, bezogen auf die gesamte Breite der Muldeaue. Für Dessau sind dies die Kleutscher Autobahnbrücke und die Wörlitzer Brücke bei Waldersee. In diesen Bereichen ist die Aue nur wenige hundert Meter breit. Dort finden definitiv keine Maßnahmen des WWF statt. Für die Maßnahmen wurden Standorte gesucht in denen die Aue mehrere Kilometer breit ist und ein in diesem Gesamtquerschnitt liegender Baum keine Wirkung im Bezug zur Wasserspiegelhöhe entfaltet. Das Projekt ist hochwasserneutral.

Nach der Wiederherstellung des Naturufers wird die Ufererosion neue Baumstämme loslösen und im Hochwasserfall die Engpässe Kleutscher Brücke oder die Wörlitzer Brücke zusetzen!

Grundsätzlich kann es an Brücken immer zu sogenannten Verklausungen kommen. Nach Stand der Technik gebaute Brücken, insbesondere an Elbe und Mulde haben jedoch so große Querschnitte das dies unwahrscheinlich ist. Laut Auskunft des LHW, Flussbereich Wittenberg, am 15. Sept. 2015 auf der 2.ten Informationsrunde für Ortschaftsräte in Waldersee, hat es in den letzten 50 Jahren keine kritische Situation mit Verklausungen an den Brücken bei Hochwasser gegeben. Auszuschließen ist es jedoch nicht. Dabei kann Holz aus dem gesamten Auebereich, einschließlich der Wälder, angetrieben werden. Es gehört zu den Aufgaben des amtlichen Hochwasserschutzes derartige Verklausungen zu erkennen und zu beseitigen. Wie groß das Aufkommen von Totholz in der Mulde ist und wie sehr sich Totholz aus Naturufern bewegt ist noch sehr unbekannt. Zu dieser Thematik setzt der WWF gemeinsam mit der Hochschule Anhalt ein Forschungsprojekt auf. Dies wurde den Ortschaftsräten angeboten um zukünftig auf Basis verlässlicher Daten mit dem LHW in Diskussion treten zu können.

Wer zahlt eine mögliche Höherstufung von Gebäudeversicherungen die evtl. durch das Projekt kommen?

Da für das Projekt die Hochwasserneutralität nachgewiesen werden muss, ist auch eine Höherstufung durch eine Versicherung nicht möglich, da die Gefahren- und Risikoeinstufung unverändert bleibt.

Warum macht man das Projekt überhaupt?

Im Grundgesetz ist in Art. 20a der Schutz natürlicher Lebensräume als gemeinschaftliche Aufgabe definiert. Flankiert von Europäischen Vorgaben wurde die Biodiversitätsstrategie als verbindliches Instrument des Naturschutzes verabschiedet. Die Vorgaben der FFH- und Vogelschutzrichtlinie sowie der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) setzen dafür die konkreten Rahmenbedingungen. So schreibt die Wasserrahmenrichtlinie ein Verschlechterungsgebot an den umfassten Gewässern vor. WRRL und FFH verpflichten zur Bewahrung des jeweiligen Erhaltungszustands und definieren ein Verbesserungsgebot. Für das FFH-Gebiet “Untere Muldeaue“ wurde 2013 ein Managementplan beschlossen, in dem diese gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden. Das Projekt „Wilde Mulde“ setzt definierte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen dieses Managementplans um.

Warum macht man das Projekt ausgerechnet hier?

Die Mulde bietet als eines der wenigen Fließgewässer dieser Größe in Deutschland abschnittsweise noch intakte Gewässerstrukturen. Als Teil des Biosphärenreservates Mittelelbe  ist sogar ein Bereich der Unteren Mulde als Kernzone ausgewiesen, die auf die besonders hohe Schutzwürdigkeit hinweist. Im Muldeabschnitt von der Mündung in die Elbe bis nach Retzau (außerhalb der Kernzone) soll durch die Umsetzung von Maßnahmen des Managementplans die Naturnähe, die Lebensraumvielfalt und damit verbunden die Artenvielfalt besonders gefördert werden. Die geplanten Maßnahmen bauen auf ein schon vorhandenes Maßnahmekonzept der Biosphärenreservatsverwaltung und des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft auf. Nicht zu vernachlässigen ist zudem, dass die Stadt Dessau-Roßlau als Sitz des Umweltbundesamtes und mit dem nahegelegenen Sitz des Biosphärenreservates „Mittelelbe“ ein wichtiger Standort des Natur- und Umweltschutzes in Deutschland ist.

Durch das Projekt wird nichts wirklich verbessert, die Wasserqualität ist so, dass sich in 25 Jahren in der davor biologisch toten Mulde ein reicher Fischbesatz entwickelt hat.

Tatsächlich hat sich die Mulde von einem biologisch nahezu toten Fluss zu einem Gewässer mit der Gewässergüte II entwickelt. Das Projekt zielt weniger auf die Wasserqualität, als auf die Förderung natürlicher Fließgewässerlebensräume. Dennoch ist zu erwarten, dass gewisse Verbesserungen insbesondere bei der Selbstreinigungskraft des Gewässers, der Artenvielfalt im Gewässerbett und beim Rückhalt von Nährstoffen erzielt werden können. Auch werden Erkenntnisse zum Geschiebetransport in einem mäandrierenden Fluss mit Erosionsufern erwartet. Dazu werden verschiedene Forschungsmodule fokussiert auf diese sogenannten Ökosystemleistungen belastbare Aussagen liefern.

Die Mulde ist doch schon wild, also warum soll die Mulde auf 24 km renaturiert werden?

Der WWF möchte an drei ausgewählten Stellen, die eine maximale Länge von 500 m haben, durch gezielte Maßnahmen der Mulde helfen auch dort noch natürliche Strukturen auszubilden.

Wenn sich das Naturufer bis an den Deich gegraben hat, wer bezahlt dann für die neuerliche Ufersicherung? Müsste das Projekt dafür nicht Geld zurücklegen?

Innerhalb des Auenbereichs der Mulde hat diese ihren Lauf schon oft verlegt/verschoben. Dies bezeugen die zahlreichen Altgewässer. Sie ist aber auch in einem begrenzten Auenbereich geblieben. Eine fundierte Abschätzung der Wanderungsbewegung durch die Wiederherstellung des Naturufers wird im Rahmen der Genehmigungsplanung erarbeitet. Die Widerherstellung des Naturufers wird als unumkehrbarer Projektbestandteil durchgeführt. Nach dann einsetzender Ufererosion wird sich nach einem gewissen Zeitraum, dieser ist zu untersuchen und zu dokumentieren, ein neues Geschiebe- und Gefällegleichgewicht an dieser Stelle einstellen. Das ist ein Prozess, der sich auch in anderen Bereichen der Mulde bereits seit längerem vollzieht, dies ohne eine wissenschaftliche Begleitung und ohne Erkenntnisgewinn. Projektbestandteil ist jedoch, die prognostizierten hochwasserneutralen Auswirkungen des Ist-Zustandes mit dem sich einstellenden Ziel-Zustand zu vergleichen. Insofern ist sichergestellt, dass auch zukünftig keine Hochwassergefahr von dieser Maßnahme ausgeht.

Was passiert mit den Raubäumen nach dem Projektende?

Das Einbringen von Raubäumen wird in einer Form erfolgen, dass auch nach Abschluss des Projektes ein Verdriften der Bäume sicher ausgeschlossen werden kann. Zum Projektende werden eine Beurteilung der Lagestabilität sowie eine Entscheidung zur Notwendigkeit des Rückbaus in Bewertung der konkreten morphologischen Veränderungen erfolgen. Bundesweit bestehen ausreichend Erfahrungen, die in den Informations-Versammlungen ausführlich erläutert wurden, wie die Befestigung solcher Bäume technisch zu lösen ist. Im Rahmen bereits durchgeführter Gewässerrenaturierungen wurden solche Raubäume in unterschiedlicher Weise in Gewässer eingebracht. Insofern ist sichergestellt, dass auch zukünftig keine Hochwassergefahr dieser Maßnahme ausgeht ausgeht.

Auch ein Steinufer ist ein wertvolles Habitat, warum bleibt es nicht unverändert?

Ein Steinufer kann für bestimmte seltene und geschützte Pflanzen und Tiere einen Lebensraum bieten, in diesem Fall einen sogenannten Ersatzlebensraum. Gleichzeitig ist es allerdings ein Eingriff in den Naturhaushalt, der natürliche Lebensräume schädigt. Die Schutzwürdigkeit von Habitaten haben anerkannte Expertenrunden definiert und ist auch in den Naturschutzgesetzen, v.a. BNatSchG, ausführlich erläutert. Im Rahmen des Genehmigungsprozesses, konkret im Rahmen der Naturschutzfachplanung (AFB, FFH-Prüfung, LBP), werden rechtliche Belange abgewogen und daraus folgende notwendige Maßnahmen (Grundsatz: Vermeidung vor Ausgleich vor Ersatz) abgeleitet. Der WWF ist davon überzeugt und wird den Nachweis erbringen, dass durch die Maßnahmen wesentlich wertvollere, strukturreichere Lebensräume entstehen.

Die Baumaßnahmen verstoßen gegen das Naturschutzrecht! Da wird mit schwerem Gerät in wertvolle Naturschutzbereiche Gefahren und diese zerstört!

Nein, das Vorhaben verstößt nicht gegen das Naturschutzrecht. Natürlich kommt es zu kurzfristigen Eingriffen von einigen Wochen an den jeweiligen Projektstandorten. Dies muss aber wie jedes andere Bauprojekt im Rahmen gesetzlicher Regelungen genehmigt werden. Als Bauzeitraum kommt nur der September bis Dezember in Betracht, da in dieser Zeit Pflanzen und Tiere am wenigsten gestört werden.

Warum werden nicht die schon im Fluss liegenden Bäume erforscht?

Die bereits im Fluss liegenden Bäume sind nicht verankert. Für eine langfristige Forschung, muss aber gewährleistet sein, dass der Baum am Ort verankert liegt. Diese dienen der Erfassung von Maßnahmenwirkungen die dann auch auf andere Gebiete entlang der Mulde oder vergleichbarer Flüsse anwendbar sein werden.

Naturufer sind an der unteren Mulde reichlich vorhanden, soll man doch diese erforschen!

Zunächst einmal setzt die Forschung auf die Umsetzungsmaßnahmen auf. Man stellt nicht ein Naturufer wieder her um zu forschen, sondern man forscht weil ein Naturufer wiederhergestellt wird. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit des Vorher-Nachher-Vergleichs, was Grundlage einer jeden fundierten Analyse ist.

Wenn man den Menschen den Fluss näher bringen will muss man sie auf den Fluss lassen und nicht ausschließen!

Die Verordnung zur Unteren Mulde erlaubt das Befahren der Mulde an drei Tagen im Jahr für eine begrenzte Teilnehmerzahl. Darüber hinaus kann die Muldeaue auf zahlreichen Wegen auch innerhalb der Naturschutzgebiete erkundet werden. Zwischen Kleutsch und Sollnitz gibt es sogar einen Weg innerhalb der Kernzone. Das Projekt will über verschiedene Aktivitäten vor Ort gezielt die Bevölkerung an die Thematik Wildflusslandschaft heranführen.

Das Geld des Projekts geht nach außerhalb, die Forschungsinstitute sitzen alle woanders, Dessau hat nichts davon und die Anrainer werden zum Versuchskaninchen!

Zunächst einmal sind die Umsetzungsmaßnahmen primärer Projektbestandteil. Die Forschungsarbeiten setzen darauf auf. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Naturlandschaft an der Unteren Mulde. Nachfolgend werden diese Umsetzungsmaßnahmen durch die Forscher überprüft. Für Dessau selbst ergeben sich folgende Vorteile durch das Projekt:
  • durch Veranstaltung von fünf Mulde-Fluss-Tagen liegt ein starker Fokus des Projektes auf der Vermittlung der Mulde als Wildflusslandschaft
  • Umweltbildung an Dessauer Schulen (Exkursionen, Mulde-Fluss-Tage, Projektwochen)
  • Durchführung eines Totholzmonitorings im Projektgebiet (Vorkommen & Beweglichkeit)
  • Einbindung der Hochschule Anhalt im Bereich Vermessung und Totholzmonitoring beabsichtigt
  • Einbindung von Museum für Naturkunde und Vorgeschichte sowie weiterer städtischer Institutionen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist beabsichtigt
  • die Stadt wird Modellstandort der überregional ausstrahlenden auenökologischen Forschungsarbeiten der Bundesrepublik
  • Es entstehen keine Folgekosten für die Stadt Dessau-Roßlau
Nicht zuletzt sei erwähnt, das der WWF für seine umfangreichen Projektaktivitäten im Biosphärenreservat „Mittelebe“ seit vielen Jahren ein Büro in Dessau mit fünf qualifizierten Arbeitsplätzen unterhält.

Man sollte das Geld umwidmen viel wichtiger wäre die Beseitigung von betaHCH aus der Muldeaue!

Die Forderung nach der Beseitigung von betaHCH aus der Muldeaue unterstützt der WWF ausdrücklich. Allerdings ist dazu ein praktikables Verfahren noch nicht gefunden worden. Das UFZ als Forschungspartner im Projekt „Wilde Mulde“ hat dazu zahlreiche Forschungsergebnisse veröffentlicht. Auf Anregung der Ortschaftsräte zu dieser Thematik hat der WWF zu den Aktivitäten im Bereich der Mulde recherchiert. Seitens verschiedener Landesbehörden unter Federführung der Landesanstalt für Altlastenfreistellung ist zeitnah ein Projekt zur HCH-Beseitigung geplant. Der Kontakt ist hergestellt und der Projektträger ist bereit in den Ortschaftsräten zu informieren.

Das eigentliche Problem der unteren Mulde ist die "Geschiebefalle" Muldestausee - doch Sediment da durch zu leiten - darüber macht man sich keine Gedanken!

Die Thematik ist bekannt, durch mehrfache wissenschaftliche Studien detailliert untersucht und tatsächlich eine Herausforderung im Rahmen der Flussbewirtschaftung. Der WWF Deutschland hat sich schon Mitte der 90’er Jahre um die Errichtung eines Umleitungsgerinnes um den Muldestausee bemüht, in Form einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der MBV. Die Umsetzung ist jedoch letztlich an dem vorgegebenen Rekultivierungskonzept und der technischen Machbarkeit im damals noch offenen Tagebau Goitsche gescheitert. Allerdings handelt es sich hier eher um einer wasserbauliche Fragestellung, die mit diesem Projekt nicht gelöst werden kann, aber  langfristig eine Aufgabe der Landesbehörden darstellt. Aber auch hier gilt: einfache, kurzfristige Lösungen gibt es nicht. Das Projekt „Wilde Mulde“ kann insofern einen Beitrag zum gestörten Geschiebetransport leisten, als dass durch die Wiederherstellung des Naturufers wieder natürliches Sediment in die Mulde eingebracht wird. Gerade die Frage der Mobilisierung und des Transports von Geschiebe infolge freier Mäanderbewegung ist eine offene Frage und wird von den Forschungspartnern bearbeitet.

Es ist wichtiger einen Fahrradweg von Sollnitz nach Kleutsch zu bauen. Da müssen wir immer an der Straße lang! Das Geld sollte dafür verwendet werden!

Unbestritten gibt es neben dem Projekt „Wilde Mulde“ auch andere vernünftige Projekte. Die im Projekt genutzten Fördermittel stehen ausschließlich für diese Naturschutzaktivitäten zur Verfügung. Für die Anliegen des Tourismus, wie für den Mulderadweg, gibt es keine Fördermittel aus der gemeinsamen Förderinitiative „Forschung zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (F&U-NBS)“ von BMBF und BMUB. Im Rahmen der Förderinitiative werden Projekte finanziert, die anwendungsorientierte Strategien und beispielhafte Maßnahmenkonzepte zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt entwickeln. Für Radwege müsste gesondert auf andere Förderprogramme wie z.B. ELER zugegangen werden.

Die Bürger werden viel zu wenig einbezogen. Über das Projekt wird unzureichend informiert!

Im Herbst 2014 wurde in kleiner Runde durch den WWF beim Ornithologischen Verein über die Projektideen zum Projekt „Wilde Mulde“ berichtet. Das Projekt befand sich damals in einer sehr frühen Antragsphase bei den Zuwendungsgebern. Die Mitteldeutsche Zeitung griff dieses Vorhaben auf und berichtet darüber. Da das Projekt noch nicht konkret genug war und eine Förderfähigkeit noch nicht in Reichweite lag, verzichtete der WWF auf eine breit angelegte Informationskampagne. Auf Bitten der Ortschaftsräte der Dessauer Muldeanlieger, wurde im April 2015 durch den WWF und im November auf Einladung des Umweltamts eine Informationsveranstaltung unter Hinzuziehung von Experten durchgeführt. Mit Einrichtung des Projektbüros „Wilde Mulde“ vor Ort, wurden die Informationsaktivitäten verstärkt. Folgende Informationangebote wurden unterbreitet:
  • 04.2015 Informationsveranstaltung in Waldersee für die Ortschaftsräte, Einladung Ortschaftsrat Waldersee
  • 09.2015 Informationsveranstaltung in Waldersee für die Ortschaftsräte, mit geladenen Experten für Flussrenaturierung und Vertreter des Projektträgers, Einladung Umweltamt Dessau-Roßlau
  • 11.2015 Projektvorstellung im Naturschutzbeirat der Stadt Dessau-Roßlau
  • 03.2016 Vorstellung des Projektes im Stadtbezirksbeirat Süd
  • 03.2016 Vorstellung des Projektes im Ortschaftsrat Sollnitz (OR + ca. 25 Personen)
  • 03.2016 Vorstellung des Projektes im Ortschaftsrat Kleutsch (OR + ca. 30 Personen)
  • 03.2016 Vorstellung des Projektes im Ortschaftsrat Mildensee (OR)
  • 03.2016 Vorstellung des Projektes im Bauausschuss der Stadt Dessau-Roßlau
  • 03.2016 Online-Schaltung der Projektwebsite www.wilde-mulde.de
  • 03.2016 Vorstellung des Projektes im Ortschaftsrat Waldersee (OR + ca. 2 Personen)
  • 04.2016 öffentliche Projektauftaktveranstaltung im Krötenhof inkl. öffentlicher Diskussionsrunde (ca. 120 Personen anwesend)
  • 04.2016 Fahrradexkursion im Projektgebiet mit interessierten Sollnitzer und Kleutscher Bürgern im Bereich Sollnitz (ca. 10 Personen)

Alle Information und Beteiligung ist doch nur Show! Das Projekt ist doch schon beschlossen!

Das Projekt wurde vorerst nur insoweit genehmigt, dass die Genehmigungsplanung vorangetrieben und abgeschlossen werden kann. Eine Genehmigung wird nur dann zu erwarten sein, wenn die Maßnahmen hochwasserneutral und naturschutzrechtlich durchführbar sind. Der Projektträger hat dazu Abbruchmeilensteine im Projekt definiert.

Die Argumente haben die Anwohner nicht überzeugt, wenn trotzdem gebaut wird ist das ein Zeichen das Politik die Menschen nicht mehr ernst nimmt und die Ergebnisse der AfD verwundern dann nicht mehr!

Im Grundgesetz ist in Art. 20a der Schutz natürlicher Lebensräume als gemeinschaftliche Aufgabe definiert. Flankiert von Europäischen Vorgaben wurde die Biodiversitätsstrategie als verbindliches Instrument des Naturschutzes parlamentarisch verabschiedet. Die Vorgaben der ebenfalls parlamentarisch beschlossenen FFH- und Vogelschutzrichtlinie sowie der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) setzen dafür die konkreten Rahmenbedingungen. Darauf baut das Projekt auf. Alle geplanten Maßnahmen ordnen sich dem durch demokratisch gewählte Parlamente beschlossenen Rechtsrahmen unter. Der Bevölkerung vor Ort werden mit größter Transparenz Informationsangebote unterbreitet und auch wahrgenommen. Eine Beteiligung im Anhörungsverfahren ist vorgesehen. Neben den Gegnern gibt es vor-Ort auch zahlreiche Befürworter. Was soll denen gesagt werden?