Umsetzung

Die gestellten Projektziele sollen durch bestimmte Maßnahmen am Fluss erreicht werden. Diese werden bis voraussichtlich Ende 2018 ausgeführt sein. Folgende Maßnahmen sind geplant:

Verbesserung der Gewässerstruktur durch Raubäume

Raubäume werden Bäume genannt die bewusst in ein Gewässerbett eingebracht werden um die natürliche Struktur eines Flusses zu verbessern. Zwischen Kilometer 3 und 4 der Mulde (Projektstandort Jagdbrücke Pelze) werden 3-4 Raubäume an der Flusssohle verankert. Die Anbringung erfolgt in Abstimmung mit den Forschungsteams für einige der Bäume auftriebssicher. Für die anderen soll eine auftriebsvariable Befestigung in der Flusssohle gewählt werden. Im Bereich der Einbringung der Bäume sollen die natürlichen Uferstrukturen durch Rückbau von Steinpackungen auf ca. 30 m Länge wiederhergestellt werden.
oberhalb des Pelze zuflusses

Totholz kommt in naturnahen Gewässern sehr häufig vor. Hier ein Beispiel eines natürlichen Totholzes in der Mulde.

Zwischen Kilometer 11,5 und 13 (Projektstandort Törten), sollen drei weitere Raubäume eingebracht werden. Diese sollen auftriebssicher verankert werden. Veränderungen am Ufer sollen nicht vorgenommen werden. In diesem Bereich wollen die Forscherteams die Auswirkung im Fluss ohne Maßnahmen am Ufer beobachten.

Wiederherstellung natürlicher Ufer

Nördlich von Retzau befindet sich ein mit einer massiven Steinschüttung gesicherter Uferabschnitt. Aus heutiger Sicht eine unnötige Maßnahme liegt doch das Ufer direkt im Bereich von Wiesen und Wäldern, weit entfernt von schützenswerten baulichen Anlagen die eine Eindämmung der Wanderungsbewegung des Muldeufers rechtfertigen würde.
Ausgangssituation befestigtes Ufer: Die Uferböschung besteht aus einer Schüttung aus Porphyrschotter und verhindert die natürlichen Veränderungsprozesse am Ufer.

Ausgangssituation befestigtes Ufer: Die Uferböschung besteht aus einer Schüttung aus Porphyrschotter und verhindert die natürlichen Veränderungsprozesse am Ufer.

In einem Abschnitt von ca. 500 m werden die Steinschüttungen entfernt. Das Wasser kann ungehindert das Ufer unterspülen. Es kommt zur natürlichen Veränderung der Böschung. In den abgebrochenen Uferwänden finden Uferschwalben ihr neues Zuhause.
Zielsituation: Die Ufersicherung wurde entnommen. Durch die Kraft des Wassers kommen die natürlichen Veränderungsprozesse am Flussufer in Gang.

Zielsituation: Die Ufersicherung wurde entnommen. Durch die Kraft des Wassers kommen die natürlichen Veränderungsprozesse am Flussufer in Gang.

Im Laufe mehrere Jahre wird die Mulde ihr Flussbett in die angrenzende Wiese verlegen. Erst mit Erreichen der Waldgrenze wird die Geschwindigkeit durch die verfestigende Wirkung der Baumwurzeln verlangsamt. Einige der Bäume am Rand werden durch Unterhöhlung in die Mulde stürzen und so das natürliche Totholz bilden.

Belebung der Aue durch eine Seitenarmanbindung

Etwa 2 km vor der Mündung in die Elbe soll ein linksseitiger Altarm angebunden werden. Man vermutet, dass die Anbindung des Arms vor vielen Jahrzehnten von Menschenhand verschlossen wurde. Genau an dieser Stelle soll die Öffnung so erfolgen, dass der Seitenarm bei Mittelwasser an die Mulde angebunden ist. Durch den Anschluss des Seitenarms können diese Bereiche bei entsprechenden Wasserständen bis zur Elbe durchströmt werden. altarm Zur Anbindung des Arms muss eine Verbindung auf ca. 80 m Länge geöffnet werden. Mit dem anfallenden Bodenaushub wird nördlich der Anbindung ein Hügel aufgeschüttet auf den sich bei Hochwasser Tiere zurückziehen können. Dieser sogenannte Wildrettungshügel ist notwendig, da durch die Anbindung eine vom Wasser umschlossene Insel entsteht, bei der die Wildtiere bei Hochwasser nur bedingt flüchten können.

Entwicklung von Hartholzauenwald

Hartholzauenwald entwickelt sich in Bereichen nahe von Flüssen, die nicht zu häufig vom Hochwasser überströmt werden. Harthölzer allen voran die Stieleiche prägen das Bild. Im Gegensatz dazu findet man den Weichholzaue direkt am Ufer. Dort können nur Hölzer dauerhaft wachsen, die häufige und länger anhaltende Überflutungen überstehen. Voraussichtlich nördlich der Anbindung des Seitenarms soll der Natur geholfen werden eine Hartholzaue zu entwickeln. Dazu werden zahlreiche Setzlinge und auch Saatgut auf ca. 4 ha Fläche ausgebracht. Die Flächen werden eingezäunt und an ausgewählten Pflanzen ein zusätzlicher Verbissschutz angebracht. Die genaue Lage der Flächen steht noch nicht fest.

Vermittlung der Wildflusslandschaft Mulde

Neben den tatsächlichen Verbesserungen am Gewässer soll auch erreicht werden, die einzigartige Wildflusslandschaft Mulde stärker ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Dazu sollen mehrere Mulde-Flusstage veranstaltet werden. Schautafeln, ein digitaler Naturführer, Geocaching-Angebote und regelmäßige Führungen sollen einen Anreiz zur Auseinandersetzung mit der Muldeaue bieten. Die Veränderungen am Fluss sollen durch Langezeitbeobachtungen und deren öffentlicher Präsentation verdeutlicht werden.